Gründung des Verbandes lediger Mütter

1967 fing es an

Die Lehrerin Luise Schöffel, selbst Mutter eines nichtehelichen Sohnes, gründete in Herrenberg den Verband Lediger Mütter. Materielle Not, Vereinsamung, Ärger mit dem Jugendamt, Unterbringung der Kinder in Heimen – so sah für viele der betroffenen Mütter der Alltag aus.

1968

Luise Schöffel erstellte für den VAM (Verband Alleinstehender Mütter) eine Dokumentation über die „Lebenswirklichkeit des unehelichen Kindes“ und forderte:

  • Namensänderungen: Nichtehelichenrecht/nichteheliches Kind statt Unehelichenrecht/uneheliches Kind
  • Amtsvormundschaft nur für minderjährige Mütter
  • Amtsvormundschaft für alle nichtehelichen Mütter zur Feststellung der Vaterschaft und Eintreibung des Unterhalts
  • Unterhaltsvorschusskasse für alle nichtehelichen Kinder, deren Väter keinen, zu wenig oder unregelmäßig Unterhalt bezahlen
  • Unterhaltssatz soll alle zwei Jahre erhöht und neu festgesetzt werden
  • Erbrecht des nichtehelichen Kindes an der Hinterlassenschaft des leiblichen Vaters
  • Muttergeld für die Dauer von drei Jahren; Umgangsrecht des nichtehelichen Vaters mit seinem Kind, sofern er dieses Recht nicht missbraucht
  • Nichteheliche Mütter sollen mit ihrem Kind als „Familie“ anerkannt werden und dieselben Vergünstigungen wie Vollfamilien erhalten
  • 218 streichen oder stattdessen die Fristenlösung gesetzlich zulassen.

Einige dieser Forderungen wurden mit Hilfe des VAMV  ganz bzw. teilweise durchgesetzt (Abschaffung der Amtsvormundschaft, „Nichtehelichenrecht“ statt „Unehelichenrecht“, Unterhaltsvorschusskasse, Erbrecht, …). Aber noch ist unser oberstes Satzungsziel nicht erreicht: die Umsetzung und Verwirklichung von Artikel 3 GG (Gleichheitsgrundsatz) auch für alleinerziehende Mütter, Väter und deren Kinder.

VAMV Landesverband Berlin und Bundesgeschichte

1973

Sophie von Behr-Negendonk lädt zur Gründungsversammlung der Berliner Sektion des Verbandes Alleinstehender Mütter ins Internationale Design-Zentrum ein. Sie wird am 27.10.1973 zur ersten Vorsitzenden gewählt und bleibt dies bis April 1980.

 1975

Der Ratgeber „Wie schaffe ich es alleine“ erscheint erstmals in einer Auflage von 20.000 Stück und einem Umfang von 56 Seiten. Seither wurde er fünfzehn Mal überarbeitet und fand über eine Million Leserinnen und Leser. Über viele Jahre hieß das Buch dann „So schaffe ich es allein“, bis es den heutigen Titel „Alleinerziehend, Tipps und Informationen“ erhielt, um sich von einer defizitären Betrachtung der Einelternfamilien zu verabschieden.

1977

Das neue Ehe- und Familienrecht tritt in Kraft; u.a. wird der Versorgungsausgleich eingeführt (gleichmäßige Aufteilung der während der Ehe erworbenen Rentenansprüche im Fall einer Scheidung).

Außerdem wünschen sich Berliner VAMV-Mitglieder einen zentralen Treffpunkt und so wird am 2. April die „Teestube“ in der Brauhofstraße 2 in Charlottenburg eröffnet.

1980

Das Unterhaltsvorschussgesetz tritt in Kraft: Kinder allein sorgeberechtigter Eltern können für 36 Monate bis zum 6. Lebensjahr des Kindes Unterhaltsvorschuss beziehen.

1986

Das Bundeserziehungsgeldgesetz tritt in Kraft: Betreuende Eltern erhalten einkommensabhängig 600,- DM Erziehungsgeld und Erziehungsurlaub mit Arbeitsplatzgarantie.

1987

Kathrin Mlodzik, das letzte Berliner Gründungsmitglied, gibt ihren Vorstandsposten auf.

1988

Die neue Geschäftsstelle (inkl. Teestube) wird im September in der Sieglindestraße 6 am Bundesplatz eröffnet.

1989

Die Bundesdelegiertenversammlung findet in Berlin statt, diesmal unter dem Thema: “Einelternfamilien, eine vielfältige Lebensform.“

Im gleichen Jahr erhält Berlin erstmals eine rot/grüne Regierung unter Walter Momper und die Berliner Mauer fällt. Alleinerziehende aus dem Ostteil der Stadt nehmen Kontakt zum VAMV auf.

1990

Der Verein „Lebenstraum“ (Wohnprojekt für Alleinerziehende) wird von Mitgliedern des Berliner VAMV gegründet.

1994

Die Ausstellung „Alleinerziehend“ wird in Treptow eröffnet. Tatjana Böhm (Referatsleiterin im Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen des Landes Brandenburg) hält das Einführungsreferat.

1995

Das Berliner Bündnis „Gemeinsames Sorgerecht? Ja, auf Wunsch beider Eltern – nicht als Regelfall!“ wird gegründet, und vertritt in diversen Veranstaltungen (Fernsehen, Rundfunk, Anhörungen) engagiert seine Positionen.

1996

Die Teestube (der offene Treffpunkt) wird umstrukturiert und öffnet in neuem Outfit als VAMV-Café.

1997

Mit einer ungewöhnlichen Aktion „lieb und teuer“ am Rathaus Friedenau und Alexanderplatz macht der Landesverband auf die schlechte finanzielle Situation von alleinerziehenden Müttern/Vätern und ihren Kindern aufmerksam.

1998

Neue Gesetze treten in Kraft: das Kindschaftsrecht-Reformgesetz, Beistandschaftsgesetz und Kindesunterhaltsgesetz. Das gemeinsame Sorgerecht wird der Regelfall.

Im gleichen Jahr findet die Bundesdelegiertenversammlung abermals in Berlin statt, diesmal unter dem Motto: “Familie im Jahr 2000 – neue Lebensformen gleichberechtigt fördern“.

Außerdem feiert der VAMV Berlin sein 25-jähriges Jubiläum in der „Wille“.

2000

Der Bundesverband führt in einem Aktionsbündnis mit anderen Verbänden die Kampagne „Was sind dem Staat die Kinder wert?“ durch und setzt sich damit für eine gerechte finanzielle Entlastung von Familien ein.

Die geplante Streichung der Senatszuschüsse für Familienbildungsprojekte bedroht die Existenz des VAMV. Durch eine breite Initiative der freien Träger können wir Schlimmstes verhindern, werden jedoch empfindlich in unseren Zuwendungsmitteln gekürzt.

2001

Da die Räume in der Sieglindestraße nicht mehr zu bezahlen sind, zieht die VAMV Geschäfts- und Beratungsstelle nach Berlin-Charlottenburg in die Seelingstraße 13.

Der VAMV-Bundesverband startet die Postkartenaktion “Ich bin kein Single“, die zum Protest gegen die Streichung des Haushaltsfreibetrags für Alleinerziehende aufruft. Die Berliner Geschäftsstelle unterstützt die Kampagne durch vielfältige Aktionen und eine breite Öffentlichkeitsarbeit.

2003

Das Bundesverfassungsgericht entscheidet, dass ein gemeinsames Sorgerecht gegen den Willen der nichtehelichen Mutter nicht möglich ist.

Aufgrund großer Proteste legt die Bundesregierung einen Gesetzentwurf vor, in dem anstelle des Haushaltsfreibetrages ein “Entlastungsbetrag für Alleinerziehende“ treten soll. Die Steuerklasse 2 soll also nicht abgeschafft werden, wobei dieser Entlastungsbetrag und seine Voraussetzungen deutlich schlechter als beim ursprünglichen Haushaltsfreibetrag sind. Eine VAMV-Sammelklage gegen die Abschaffung des Haushaltsfreibetrages läuft an.

Der Landesverband Berlin feiert mit seinen Mitgliedern, Freunden, Unterstützern und Politikern sein 30-jähriges Jubiläum.

2004

Unser Protest hat sich gelohnt: Wenn auch in abgespeckter Form bleibt die Steuerklasse II erhalten und wird nachträglich jetzt auch Alleinerziehenden mit volljährigen Kindern gewährt.

Die Bundesdelegiertenversammlung findet diesmal in Osnabrück statt. Thema: „Mini, Midi, Maxi – Alleinerziehende und die Arbeitsmarktreform.“

Im Landesverband konnten wir mit Hilfe von Europamitteln ein flexibles Kinderbetreuungsprojekt installieren, das Alleinerziehende dabei unterstützt, Familie und Beruf zu vereinbaren, indem ihre Kinder auch außerhalb der Kita-Öffnungszeiten in ihrem Haushalt betreut werden.

Wir werden Mitglied beim Charlottenburger Bündnis für Familie.

Wir erweitern unser Angebot durch den ersten Elternkurs des Kinderschutzbundes „Starke Eltern Starke Kinder“® , den wir speziell für allein erziehende Mütter und Väter anbieten.

2005

Auch das ist ein Erfolg der Musterklage vom VAMV: Alleinerziehende erhalten 400 Millionen Steuern zurück. Die in den Jahren 1997 bis 1999 vorgenommene Kürzung der steuerlichen Absetzbarkeit von Kinderbetreuungskosten wurde vom Bundesverfassungsgericht für nichtig erklärt.

Im gleichen Jahr nimmt der VAMV Stellung zum Kinderzuschlag: Diese Familienleistung geht völlig an den Alleinerziehenden vorbei und ist nicht geeignet, die Armut von Kindern in dieser Familienform auszugleichen.

Die diesjährige Bundesdelegiertenversammlung findet in Potsdam statt. Thema: „Umsteuern – Alleinerziehende fordern ein neues Steuerrecht.“

2006

Kindergeld darf nicht gekürzt werden: Der Verband alleinerziehender Mütter und Väter fordert, auf die beabsichtigte Kürzung des Kindergeldes von 27 auf 25 Jahre zu verzichten.

Darüber hinaus setzt er sich für eine reduzierte Mehrwertsteuer auf Produkte für Kinder ein.

2007

Alleinerziehende gründen im Juni das europäisches Netzwerk ENos (European Network of Single Parent Families).

Am 6. Oktober feiert der VAMV Bundesverband sein 40-jähriges JubiläumDie Jubiläumsfeier findet im Gründungsort Herrenberg statt.

Der VAMV und andere Familienverbände fordern die Reform des KinderzuschlagesIm Mittelpunkt der Kritik steht , dass insbesondere Anträge in unteren Einkommensgrenzen abgelehnt werden.

2008

Am 1. Januar tritt das neue Unterhaltsrecht in Kraft: Unabhängig von der Rechtsbeziehung, in der Mutter und Vater stehen, kommt unterhaltsrechtlich nun das Kind an die erste Stelle – noch vor den Ansprüchen des Ex-Partners/der Ex-Partnerin. Nichtprivilegierte volljährige Kinder stehen in der Rangfolge erst an 4. Stelle.

Juni: Ein kleiner Erfolg: Der Bundestag verabschiedet die Reform des Kinderzuschlages.

September: In einer bundesweiten Unterschriftenaktion fordert der VAMV, die Bezugsdauer von Kindergeld wieder auf 27 Jahre zu erhöhen. Begründung: Angesichts der unsicheren wirtschaftlichen Lage und der perspektivlosen Arbeitsmarktsituation sowie der längeren Wartezeiten auf einen Studienplatz verzögert sich die finanzielle Selbständigkeit von Kindern. Die Befristung des Kindergeldes auf 25 Jahre trifft insbesondere Alleinerziehende, da sie auch den für die Steuerklasse II relevanten Entlastungsbetrag verlieren.

Zeitgleich startet eine Kampagne, die eine Reduzierung der Mehrwertsteuer auf Produkte und Dienstleistungen für Kinder auf 7% fordert.

Die Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Familienorganisationen, in der der VAMV Mitglied ist, startet eine Postkartenaktion mit dem Ziel, Familien mit Kindern stärker zu entlasten.

2009

21. April: Elisabeth Küppers, Projektleiterin des VAMV-LV Berlin, nimmt an einem informellen Gespräch mit dem Chef des Bundeskanzleramtes de Maizière zum Thema: Gemeinsam geht`s – Profis helfen Kindern und Eltern“ teil.

30. April: Elisabeth Küppers ist beim Empfang der Bundeskanzlerin im Bundeskanzleramt dabei.

1. Juli: Das neue Community-Portal des VAMV „die-alleinerziehenden.de“ geht online. Es ermöglicht, sich rund ums Alleinerziehen auszutauschen und zu informieren.

VAMV-Konzept für eine Kindergrundsicherung von 500,- € für jedes KindDie Existenzsicherung eines Kindes ist keine private Aufgabe, sondern eine unserer gesamten Gesellschaft. Neben der konkreten Absicherung der Kinder ist das auch eine Investition in unsere gemeinsame Zukunft. Wo Kinder ohne Armut aufwachsen, gedeihen Wohlstand und Sicherheit. Kinder, die materiell abgesichert sind, haben mehr Möglichkeiten, Bildung anzunehmen und sich an der Gestaltung unserer Lebensbedingungen zu beteiligen.

2010

Gefördert durch „Aktion Mensch“ kann der VAMV über drei Jahre Trennungsgruppen für Kinder anbieten.

Edith Schwab, die Bundesvorsitzenden des VAMV, erhält das Bundesverdienstkreuz.

 2011

19.04. -17.05.: Ausstellung: „Gesucht – gefunden, Alleinerziehende zuverlässige und engagierte MitarbeiterInnen“ im Rathaus Friedenau

Juni: Die SPD Berlin und die Einelternfamilien – ein Gespräch mit dem Berliner SPD-Vorsitzenden Michael Müller und der familienpolitischen Sprecherin Sandra Scheres. Dabei ging es um

  • notwendige Angebote flexibler Kinderbetreuung,
  • die einseitige Bevorzugung der Ehen durch das Ehegattensplitting,
  • die Einführung eines Mindestlohns und
  • die notwendigen gezielten Beratung des JobCenters , die die Lebenssituation von Alleinerziehenden besonders berücksichtigt.

September: Gespräch mit Elfi Jantzen, Familienpolitische Sprecherin Bündnis 90/Die Grünen, und Nicole Ludwig, Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen BVV Charlottenburg Wilmersdorf: Auch hier ging es um die ergänzende Kinderbetreuung außerhalb der Kita-Öffnungszeiten. Es gab keine Idee dazu, wie ein nachhaltiges Konzept inklusive finanzieller Ausstattung aussehen könnte. Unterstützt wurde jedoch unser Wunsch, die Beschäftigungsverhältnisse im flexiblen Kinderbetreuungsprojekt zu erhalten.

Gespräch mit Emine Demirbüken-Wegner familienpolitische Sprecherin der CDU mit dem Fazit: Jeder Bezirk sollte eine Kita mit Rundum-Betreuung anbieten. Weiterhin soll angefragt werden, wieviel Unterhalt die Unterhaltsvorschusskassen von säumigen Unterhaltspflichtigen zurückbekommen.

Das Portal des VAMV www.die –alleinerziehenden.de ist ausgewählter Ort beim Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“.

2012

Der VAMV nimmt kritisch Stellung und diskutiert den Gesetzentwurf zur Neuregelung des Sorgerechts nicht miteinander verheirateter Eltern.

Verschiedene Familienverbände schließen sich gegen das Betreuungsgeld zusammen.

Wir erstellen unsere neue Publikation „Zeit für mich – Spaß mit anderen. Informationen für Trennungssituationen“.

2013

Wir feiern das 40-jährige Jubiläum des Berliner Verbandes alleinerziehender Mütter und Väter in der Tanzschule Traumtänzer und geben die Jubiläumsbroschüre „Viele Geburtstage zum Glück“ heraus.

Das Sorgerecht wird neu geregelt: Väter erhalten nun die Möglichkeit, auch gegen den Willen der Mutter ein gemeinsames Sorgerecht zu beantragen und – sofern die Mutter keine kindeswohlrelevanten Gründe dagegen vorbringt – auch zu bekommen.

2014

Unser neues flexibles Kinderbetreuungsprojekt startet, finanziert über die Walter Blüchert Stiftung.

Durch eine Befragung wird der Bedarf an flexibler Kinderbetreuung ermittelt. Die Ergebnisse werden in einer Broschüre zusammengefasst und im Rahmen einer Veranstaltung beim Paritätischen Fachleuten vorgestellt und diskutiert.

2015

Der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende (Steuerklasse II) wird um 600 € erhöht. Eine immer wieder gestellte Forderung des VAMV wurde von Frau Schwesig (Familienministerin) erhört.

Es erscheint der neue Umgangsratgeber: „Wegweiser für den Umgang nach Trennung und Scheidung“, eine Zusammenarbeit des Deutschen Kinderschutzbundes, der Deutschen Liga für das Kind und dem VAMV.

Studenten der Design Akademie erstellen zwei Imagefilme für den VAMV, finanziert über das Spendenportal betterplace.

Einladung von Frau Kolat in den VAMV Berlin und Gespräch über die Notwendigkeit der flexiblen Kinderbetreuung. Mit dabei waren auch Frauen, die unser diesbezügliches Angebot nutzen.